Ich bin am 31.03.1956 in Luxemburg Stadt geboren.

Als Dritt-Geborener bin ich in Esch/Alzette aufgewachsen, wo ich eine normale,wohlbehütete Jugend verbrachte.

Laut Aussage meiner Mutter war ich immer ein sehr ruhiger, schüchterner, sensibeler Junge. Ich habe nie Sport getrieben. Meine Schulabgänge habe ich immer ohne grosse Probleme geschafft. Mein Vater, Professor in dem hiesigen Lycée de Garcons, war Jäger, wodurch ich bereits mit 6 Jahren den Umgang mit Waffen erlernte und auch begann Waffen zu sammeln. Daraus resultierte mein Wunsch Büchsenmacher zu werden und gleichzeitig von zu Hause ins Ausland zu ziehen.(1973-1976) Österreich, Ferlach

Ferlach - Büchsenmacherstadt

In Oestereich lernte ich meine spätere Frau, Angie, kennen.

Wir heirateten 1976 und

es folgten 2 Söhne Michel 1976 und Marc 1980.

Angie und Michel

Marc

 

1978 Eröffnung einer Waffenhandlung in Luxemburg/Stadt, welche 1983 wieder schloss.

Von 1983 bis zu meinem Outing war ich als Autoverkäufer tätig.

1989 haben wir, im Süden Luxemburgs, ein Baugrundstück erstanden und haben dort ein Haus erbauen lassen, wo wir bis zum Outing gemeinsam wohnten.

 

Die Geburt von Anne

Ausser, wenn unbeobachtet, habe ich die Gelegenheit genützt Unterwäsche meiner Schwestern oder meiner Mutter, anzuprobieren. Ich habe im Pubertätsalter oft mir meinen Penis mit Klebestreifen nach hinten weggeklebt, dies alles ohne irgendwelchen Zusammenhang mit Transsexualität zuverstehen.

Es ist von +/- 1978 beginnend, wo ich merkte, dass sich in meinem Körper immer mehr unkontrolierbare Gefühle breit machten.Ich begann meine Geschlechtlichkeit zu hassen.

Ich fühlte mich immer mehr zum Frausein hingezogen, nicht travestitisch, aber nur Frau zu sein und zu leben.

Ich habe mehrmals mit meiner Ehepartnerin über meine Gefühle gesprochen und gemeinsam beschlossen wir, diese unkontrolierbren Geschehnisse mit typischen männlichen Hobbys, wie zur Jagd gehen, Tontaubenwettbewerbe, Sportschiessen, Waffen- und Militärfahrzeugesammeln und von A-Z zu restaurieren, zu unterdrücken.

Ich errichtet mir damit eine Fassade die so perfekt war, dass später bei meinem Outing fast alle Bekannten das Geschehen nicht verstehen resp. nachvollziehen konnten.

Ich wollte so versuchen unser Geheimnis innerhalb unserer 4 Mauern zu halten.

Aber, im Laufe der Zeit konnte ich mich nicht mehr selbst belügen und so kam es, dass ich den Geschlechtertausch in meinen Gedanken, wie in einem Film, vollzog.

Ich war die Frau und meine Partnerin mein Mann.

Dies wurde Omni-present, also zwanghaft, und ich schaffte es nicht mehr meine Gefühle zu unterdrücken.

Ich konnte zwar noch einige Zeit in dem Zwiespalt leben, bis ich Anfang 1980, eine Reportage über Transsexualität sah. ( Et il voulait être une femme )

Ab dem Tag wusste ich definitiv was mit mir los war und ich fing an mich intensiv mit dem Thema zu beschäfftigen.

Ich besorgte mir weibliche Hormone.Zuerst Pillen aus Brasilien, dann Diane 35 und schliesslich Progynon Dépot 100, die ich seit Mitte 1990 regelmässig zu mir nahm und welche mir zu einem weiblicheren Aussehen verholfen haben. Aufgrund der Dauer der Einnahmen habe ich jegliche Erektion (Gott sei Dank) verlohren (extrem angenehm für mich). Gleichzeitig haben sich nette weiblich Brüste entwickelt, welche ich mit weiten T-shirts , resp. Hemden versteckte.

Weihnachten 1998 bermerkte meine Mutter ( sie hatte meinen Busen bemerkt) die köperlichen Veränderungen und ich gestand ihr meine Transsexualität.

Nach längeren Diskutionen zwischen meiner Frau, meiner Mutter, meiner Schwester
( Praktische Artztin ), meinen beiden Söhne und mir, beschlossen wir, dass ich einen Halbtags-Alltagstest von 18h00 Abends bis Morgens 07h00, sowie Sonn- und Feiertags, innehalb unserer 4 Mauern, ohne vor die Tür zu treten, ausleben könnte.

Meine Mutter versuchte die Gründe meiner Entwicklung bei ihr zu suchen und darauf zurück zu führen dass, sie vor meiner Schwangerschaft Hormone habe nehmen müssen. Ich habe ihr aber zu Verstehen gegeben dass dem sicherlich nicht so wäre und dass sie keine Schuld trage.

Ab Weihnachten 1998 half mir meine Schwester zu einer Psycho-Therapie in Saarbrücken (Dr Senf), dann gleichzeitig bei der Frau Dr Rohmann ( Psychiaterin ) und schliesslich noch eine Psycho-analyse in Homburg an der Uni-Klinik ( Dr Sittinger).

Die beiden Gutachten bekam ich das

1.) im August 2000 und das

2.) Anfang Oktober 2000.

Der Name ANNE war seit Anfang 1980 bereits für mich mein Name.

Von Mitte 1999 habe ich meine besten Bekannten und Freunde über die bevorstehende Aenderung informiert und

am 06.02.2000 habe ich meine Arbeitsgeber schriftlich in Kenntniss gesetzt, dass ich transsexuell sei und nicht mehr als Mann leben könnte. Gleichzeitig habe ich meinen Chefs gesagt, dass ich weiblich angezogen, aber ohne Rock / Kleid, Arbeiten kommen zu gedenke.

Ihre Reaktion war entäuschend ( niederschmetternd ) und es folgte ein komplettes Mobbing Ihrerseits und Seitens der restliche Geschäftsführung.

Alles was ich in 8 Jahren richtig getan hatte, war ab da schlecht und falsch.

So kam es, dass ich am 06.03.2000 in das Buro gerufen wurde und von beiden Chefs aufgefordert wurde nur noch als Mann arbeiten zu kommen, da sie vor 8 Jahren einen Mann und nicht eine Frau eingestellt hätten. Mit dem Resulat einer schweren Depression und mit Selbstmordgedanken ging ich nach Hause.

In Zusammenarbeit mit meinem Anwalt, sowie Dr Rohmann beschloss ich am 06.03.2000 , ausgestattet mit einem medezinischen Attest (welcher den Verlauf der Transsexualität erklärte) nur noch als ganze Frau, d.h. in eindeutigen Frauenkleidern und geschminkt arbeiten zu gehen.

Die Reaktion der Geschäftsleitung war, mit mir nur noch das rein unvermeidbare, geschäftliche zu Reden und mir anzudrohen mit sämtlichen rechtlichen Schritten gegen mich vorzugehen. Sie untersagten mir den Gebrauch meines Namens Anne und boycotierten mich wo es nur möglich war.

Nach einem Selbstmordversuch war ich 15 Tage krank geschrieben und ich musste bei meiner Rückkehr an die Arbeitsstelle feststellen, dass die Situation sich noch weiter verschlechtert hatte. Ich bekam keine Telefonanrufe mehr, sogar die von meiner Partnerin und anderen Personen, die nach mir fragten, wurden mit dem anderen Verkäufer verbunden. Gleichzeitig warfen die Chefs mir vor, mein Verkaufsumsatz würden stark nachlassen. Nach 10 Tagen Versuch, meinerseits, und Druck von Seiten der Geschäftsinhaber, wurde ich wieder krank geschrieben.

(Reaktion als sie den Krankenschein erhielten : Machts du dir keine Sorgen um deine Arbeitsstelle?)

Am 02.06.2000 kehrte ich um 8h00 an meine Arbeitsstelle zurück und es wurde mir die Kündigung meines Arbeitsverhältnisses, fristgerecht aber ohne Grund, überreicht. In einem späteren Schreiben wurde meine Kündigung dann mit wirtschaftlichen Gründen begründet.Als Zusatz wurde ich für die Dauer der Kündingsfrist von der Arbeit freigestellt.

( das ist Wirtschaft? und hat mit Sicherheit nichts mit TS zu tun ) :-)

Ich habe wähend der noch andauernden Arbeitslosigkeit eine Umschuhlung in PC-Kenntnisse (vor allem Exel) absolviert. Dank dieser Initiative habe ich im Laufe des August´s 2000 eine provisorische Arbeit in einem Kulturzentrum der "KULTURFABRIK " im Süden des Landes bekommen und habe jetzt eine Anstellung in der Verwaltung als Sekretärin zu gesagt bekommen. und bin bis dato dort fest eingestellt.

Meine Geschlechtsangleichende OP war am 20.11.2000 in München, bei der Frau Dr. Spehr.

Die Brustaufbau-Op war im Oktober 2001 (350ml ) und Anfang Februar 2002 (550ml) in Wiesbaden HSK ( Frau Dr Hills)

Ich bin glücklich mich endlich in meinem neuen Leben wiedergefunden zu haben und hoffe mein restliches Leben endlich als Frau leben zu können

Meine grösste Angst,die Beziehung zwischen meiner Ehefrau, den Kindern und mir würde dem ganzen Wandel und den daraus resultierenden Folgen nicht standhalten, bewahrheitete sich am 5 Tag nach meiner GA-Op, als Angie mir mitteilte, dass sie sich von mir trennen würde.

Obschon ich mich wesentlich mehr am Privatleben beteilige und zugänglicher geworden bin, hat das Verhältnis sich grundlegend geändert. Ich bin nicht mehr der Ehemann sondern eine sehr gute Freundin. Meine Partnerin ist heterosexuell und definitiv nicht lesbisch, was als Folge hat dass sie eine Beziehung zu einem anderen Mann aufgenommen hat und ich mit den daraus resultierenden Folgen klar kommen muss. Meine Kinder sind weiterhin sehr lieb zu mir.

Angie hat dann am 28.August 2002 die Scheidung eingereicht, sie war aber bereits von März 2002 an zu ihrem damaligen Freund gezogen.

Ich wohnte mit den Kindern im Haus in Bergem und musste für Alle auf kommen.

Nach dem es zu unentlichen Streitigkeiten und gegenseitigen verbalen Verletzungen kam beschlossen wir das haus zu verkaufen und die Situation gänzlich zu klären.

Unsere Wege trennten sich.

Am 02.01.2003 lernte ich meine jetztige überalles geliebte Lebenpartnerin Alexandra kennen und wir haben uns, aus dem mir zustehenden Anteil, ein neues Haus im Saarland gekauft.

Mittlerweilen ist das Verhältnis zu Angie und zu den bei ihr jetzt lebenden Kindern, wieder normal geworden. Wir können uns mal wieder ohne uns gegenseitig zu Verletzen, unterhalten.

2004

Alexandra und ich sind mit den Umbauarbeiten : Fliesenlegen, Anstreichen, etc beschäfftigt. Wir haben Anfang Juni unseren Wintergarten erbauen lassen und sind damit mit dem Einrichten des Hauses fertig. Alexandra´s Mutter ist in ein Altersheim eingezogen und wir sind jetzt am Haus räumen. Gleichzeitig steht der Umzug von Alexandra´s Wohnung an. Wir hoffen dann aber endlich mit der ganzen Vergangenheit abschliessen zu können und unser Liebesleben ausnützen zu können.

     
     

 

2005

Meine Mutter ist plötzlich erkrankt und musste sich in Paris einer Herz-op unterziehen. Wir sind Mitte Februar zu ihr gefahren und haben bei der Gelegenheit Paris 3 Tage langunsicher gemacht. Tolle Stadt, gute Restaurants, schöne Errinnerungsbilder.

 

 


© 2005, anne_stlu
Updated: Donnerstag Juni 16, 2005 0:48 AM